Die sieben Urteile: wie sie entstehen und was du dann tust
Was Benthic vergleicht, bevor es eine Quelle bestätigt, abweichend oder erfunden nennt, warum Bücher, Kapitel und sehr neue Artikel Vorsicht brauchen und wie du jeden Fall behebst.
Eine Prüfung meldet „Weicht ab“ bei einem Artikel, den du gut kennst, und „Unsicher“ bei einem Kapitel, das du letzte Woche in der Bibliothek kopiert hast. Keines der beiden Urteile heißt, dass Benthic dir misstraut. Jedes sagt, was der Abgleich ergeben hat, und wer weiß, was verglichen wird, weiß auch, was als Nächstes zu tun ist.
Was in ein Urteil eingeht
Benthic vergleicht die Angabe, wie sie zitiert ist, mit dem Werk, das es in den Verzeichnissen findet. Wie es dieses Werk findet, steht im Beitrag Literaturliste aus ChatGPT oder Claude prüfen. Fünf Dinge zählen:
- Titel. Er wiegt am meisten. Groß- und Kleinschreibung, Akzente und Satzzeichen spielen keine Rolle, und ein Titel, der vollständig im anderen steckt (etwa ohne Untertitel), gilt als derselbe.
- Autor:innen. Ein gemeinsamer Nachname genügt, weil zitierte Autorenlisten oft mit „et al.“ abbrechen.
- Jahr. Ein Jahr Abstand gilt noch als passend, weil Preprint und Druckfassung oft ein Jahr auseinanderliegen. Bei arXiv zählt das Jahr der ersten Fassung.
- Kennung. Ob die DOI existiert und ob sie zu dem Werk mit diesem Titel gehört.
- Rückzugsdaten. Das Rückzugs-Kennzeichen in OpenAlex und die Rückzugsmeldungen in Crossref. Ein zurückgezogenes Werk bekommt das Urteil „Zurückgezogen“, egal wie gut alles andere passt.
Echt zitierbar: Bestätigt und DOI korrigiert
Bestätigt heißt: Die Kennung hat zu einem Werk geführt oder die Titelsuche hat eindeutig eines gefunden, und Titel, Autor:innen und Jahr stimmen. Zu beheben gibt es nichts.
DOI korrigiert entsteht auf zwei Wegen. Entweder gibt es die DOI gar nicht, oder sie gehört zu einem Werk mit ganz anderem Titel. In beiden Fällen sucht Benthic über den Titel, und findet es das zitierte Werk eindeutig unter einer anderen DOI, setzt es diese ein. Das Beispiel von der Produktseite ist LeCun, Bengio und Hinton (2015), „Deep learning“, angegeben mit 10.1038/nature14538. Diese DOI gehört zu einem Eintrag namens „Addendum“, der Artikel selbst hat 10.1038/nature14539. Übernimm die korrigierte DOI in deine Liste. Benthic zeigt sie im Bericht und lädt den Artikel damit.
Selbst nachsehen: Weicht ab und Unsicher
Weicht ab heißt: Das Werk gibt es, aber Titel, Autor:innen oder Jahr weichen von der Angabe ab. Der Hinweis nennt, was, etwa „Werk gefunden, aber Jahr weicht von der Angabe ab.“ Typische Ursachen sind ein Jahr, das um mehr als eins danebenliegt (Online-Vorabveröffentlichung, spätere Auflage), ein falsch geschriebener Name oder ein Titel aus dem Gedächtnis. Übernimm die Angaben des gefundenen Werks, sobald du geprüft hast, dass es die Auflage oder Fassung ist, die du gelesen hast.
Unsicher steht dort, wo Benthic etwas sieht, es aber nicht entscheiden kann:
- Die Titelsuche findet nur einen ähnlichen Titel: „Ähnlichster Treffer: … Bitte prüfen.“
- Die DOI ist registriert, das Verzeichnis hat aber keine Angaben zum Vergleichen.
- Ein Buchkapitel („In: … (Hrsg.)“), das kein Verzeichnis führt: „Buchkapitel: oft nicht in Crossref oder OpenAlex verzeichnet. Bitte im Katalog einer Bibliothek prüfen.“
- Eine Beratungs- oder Wirtschaftsquelle, etwa ein Artikel aus dem Harvard Business Review, die du beim Herausgeber prüfst.
- Eine Webseite oder ein Bericht mit funktionierendem Link, dessen Inhalt du selbst prüfst.
- Crossref hat nicht geantwortet, also nennt Benthic die Quelle nicht erfunden: „Nicht gefunden, aber Crossref hat nicht geantwortet. Bitte später erneut prüfen.“
Behoben wird das mit einem Blick ins Original: in den Bibliothekskatalog bei Büchern und Kapiteln, auf die Verlagsseite bei allem anderen. Ist der ähnlichste Treffer das gemeinte Werk, passt du die Angabe daran an.
Nicht zitieren: Passt nicht, Nicht auffindbar, Zurückgezogen
Passt nicht: Die DOI existiert, gehört aber zu einem anderen Werk, und die Titelsuche findet das zitierte nicht. So sieht eine Angabe aus, die aus Teilen zusammengesetzt wurde. Das erfundene Beispiel der Website, Smith, J. (2019), „Deep learning for protein folding at scale“, Science, trägt eine DOI, die zu „Cell Proliferation Without Neurogenesis in Adult Primate Neocortex“ gehört. Streich die Angabe, und wenn die Aussage dahinter wichtig ist, such selbst einen echten Beleg dafür.
Nicht auffindbar: Weder die Kennung noch eine Titelsuche in Crossref, OpenAlex, arXiv, Semantic Scholar oder Open Library führt zu einem passenden Werk. Meist ist die Angabe erfunden. Hat sie einen Weblink, der nicht erreichbar ist, lautet das Urteil ebenso. Das ist ein starker Hinweis, aber kein Beweis, und eine Suche im Bibliothekskatalog lohnt sich, bevor du den Eintrag löschst.
Zurückgezogen: Das Werk gibt es, aber es wurde zurückgezogen. Wakefield et al. (1998) in The Lancet ist der bekannte Fall. Es gehört in keine Literaturliste, außer der Rückzug selbst ist dein Thema.
Bücher, Kapitel und sehr neue Artikel
Am besten kennen die Verzeichnisse Zeitschriftenartikel mit DOI. Anderswo fallen die Urteile vorsichtiger aus:
- Bücher haben selten eine DOI. Benthic sucht in Open Library nach Titel und erster Autorin oder erstem Autor, ein Treffer heißt dann „Über den Titel gefunden (Open Library).“
- Kapitel in Sammelbänden fehlen oft in Crossref und OpenAlex. Semantic Scholar kennt manche; findet sich nichts, lautet das Urteil „Unsicher“, nicht „Nicht auffindbar“.
- Sehr neue Artikel brauchen eine Weile, bis sie in den Verzeichnissen stehen, und ein Preprint von letzter Woche kann als „Nicht auffindbar“ zurückkommen. Prüf ihn später noch einmal.
- Preprints, die inzwischen erschienen sind, tragen oft ein anderes Jahr als die Zeitschriftenfassung. Das eine Jahr Spielraum fängt den üblichen Abstand auf.
Urteile sind begründete Hinweise, keine Gutachten, und so steht es auch am Ende des PDF-Berichts. Bei „Weicht ab“ und „Unsicher“ gehört der Blick ins Original zur Arbeit. Die Kurzfassung aller sieben steht auf der Produktseite.